"Arthur Illies"

Ausstellungseröffnung
im Museum für das Fürstentum Lüneburg
Am 12. Mai 2002 wurde im Museum für das Fürstentum Lüneburg eine Ausstellung ganz besonderer Art eröffnet: "Arthur Illies - Ausstellung zum 50. Todestag"
Bis zum 30. Juni 02 wird ein einzigartiger Ausschnitt aus dem Werk des bedeutenden norddeutschen Malers und Graphikers Arthur Illies gezeigt.
Arthur und Georgie Illies, ca 1905
Arthur und Georgie Illies, ca 1905
Ermöglicht und organisiert wurde die Ausstellung durch die "Arthur und Georgie Illies Familien-Stiftung". Hans-Christian Schimmelpfennig, Vorstandsmitglied der Stiftung, erläutert, daß schon Arthur Illies selbst eine Stiftung gewünscht hat.

Die 1998 errichtete Stiftung will den künstlerischen Nachlaß des Malers und sein gesamtes Kunstschaffen sammeln, erhalten und der Öffentlichkeit präsentieren. Sie hat ihren Sitz in Lüneburg und verfügt über einen ansehnlichen Bestand an Gemälden und über ein Grundkapital.

Die Stifterin Anke Maria Müller-Illies, die jüngste Tochter des Künstlers, legte besonderen Wert darauf, zugleich auch ihre Mutter Georgie zu ehren. Der Vorstand besteht aus Mechthild Op Gen Oorth, einer Enkelin des Malers, Hans-Christian Schimmelpfennig und Dr. Eckhard Michael.
"Lüneburg ist eine Stadt für Maler", was auch im Niedersachsen-Buch 2001 festgehalten wurde, so Schimmelpfennig weiter. In Lüneburg fehlt ein Kunstmuseum für Dauerausstellungen. Ein adäquater Ort für dauerhafte Präsentationen wäre ein Museumsanbau im Norden des Museums für das Fürstentum Lüneburg.

Bürgermeisterin Birthe Schellmann, die der Stiftung für die "Öffnung der Schatzkammer" dankte, verspricht eine positive Begleitung für die Umsetzung einer "dauerhaften Kunstabteilung" im Museum. Sie selbst empfindet, daß Illies nicht ausreichend im Museum präsentiert wird, ein Maler der wie kein anderer den "Zauber der düsteren Heide" eingefangen hat.

Bürgermeisterin Birte Schellmann und Hans-Christian Schimmelpfennig, Vorstandsmitglied der Arthur und Georgie Illies Familien-Stiftung
Bürgermeisterin Birte Schellmann und Hans-Christian Schimmelpfennig, Vorstandsmitglied der Arthur und Georgie Illies Familien-Stiftung
"Die tiefe Verankerung Arthur Illies im norddeutschen Raum und die Liebe zur Natur sind zentrale Punkte, die das Leben des Malers ständig begleiteten. Sie befinden sich über seinem Werk und waren Antrieb zugleich."
Dr. Eckhard Michael, Museumsdirektor im Museum für das Fürstentum Lüneburg führte in das Werk, die Lebensleistung und die künstlerische Entwicklung des Malers und Graphikers ein.
Dr. Eckhard Michael, Museumsdirektor des Museums für das Fürstentum Lüneburg und Vorstandsmitglied der Arthur und Georgie Illies Familien-Stiftung, führte in das Werk des Malers ein
Dr. Eckhard Michael, Museumsdirektor des Museums für das Fürstentum Lüneburg und Vorstandsmitglied der "Arthur und Georgie Illies Familien-Stiftung", führte in das Werk des Malers ein
Arthur Illies kam am 09. Februar 1870 als Sohn einer Kaufmannsfamilie in Hamburg zur Welt und hatte es nicht leicht "einfach Maler zu werden." Er mußte erst einmal "etwas Ordentliches" lernen. 1886 begann er eine Dekorationsmalerlehre, bevor er 1889 in München an der Kunstgewerbeschule und an der Akademie der bildenden Künste studierte.

Schon damals hatte er einen eigenen Sinn für die Malerei: Er lernte in München nicht das, was er unter Malerei verstand und kehrte 1892 nach Hamburg zurück , wo er 1895 Lehrer an der Malschule für Damen wurde, und die Leitung einer Klasse für Figuren und Aktmalerei an der Hamburger Kunstgewerbeschule übernahm. Weiterhin war er Gründungsmitglied und langjähriger Vorsitzender des 1897 entstandenen Hamburgischen Künstlerclubs.

Ganz im Sinne des Expressionismus empfand auch Arthur Illies eine Unzufriedenheit und den starken Willen etwas zu verändern:
Es ging ihm darum nach draußen, in die Landschaft zu gehen, direkt in der Natur zu arbeiten, anstatt eine künstliche Natur im Atelier zu erstellen.

1919 begann Illies eine Gemälde-Serie norddeutscher Städte und Landschaften, die einen ungekünzelten Charakter haben.
Nicht zuletzt durch die Leuchtkraft der Farben, die Illies in seinen Ölgemälden erschaffte, wird Landschaft als Gefühlswert vermittelt.

Altes Kaufhaus Lüneburg Altes Kaufhaus Lüneburg
1935 stellte die Stadt Lüneburg Arthur Illies
dort ein Atelier zur Verfügung
Insbesondere durch seine Experimentierfreudigkeit ist Illies europaweit angesehen. Er hat beispielsweise gleichen Motiven, unterschiedliche Nuancen hinzugefügt und somit völlig differente Aussagen in seinen Graphiken und auch Ölgemälden erzielt.

64jährig zog Illies nach Lüneburg, wo ihm 1935 die Stadt ein Atelier im Alten Kaufhaus zur Verfügung stellte. In diesem Atelier, das er nach dem Krieg mit seiner Frau Georgie bewohnte, starb Arthur Illies im Mai 1952.

Arthur Illies Lebenswerk ist eine faszinierende, künstlerische und innovative Leistung. Die Ausstellung präsentiert Graphiken und Öl-Werke die noch nie gezeigt wurden. Sie ist ein Gedenken an einen einmaligen norddeutschen Maler.

 
Arthur Illies - ganz privat:
Mechthild Op Gen Oorth, eine Enkelin des Malers, die auch den Katalog zur Ausstellung gestaltet hat, erlebte die "Lüneburger Zeit" mit ihrem Großvater und brachte den Gästen der Ausstellungseröffnung das Wesen des Malers ein wenig näher:
Mechthild Op Gen Oorth, Enkelin des Malers und Vorstandsmitglied der Arthur und Georgie Illies Familien-Stiftung, erzählte bei der Ausstellungseröffnung von ihrem Großvater
Mechthild Op Gen Oorth, Enkelin des Malers und Vorstandsmitglied der Arthur und Georgie Illies Familien-Stiftung, erzählte bei der Ausstellungseröffnung von ihrem Großvater
"Er war sich selbst gegenüber diszipliniert und streng, hielt aber ein einmal gegebenes Wort immer und zeigte insbesondere bei Familienmitgliedern, stets Hilfsbereitschaft.
Er liebte seine Familie, die Geselligkeit mit Freunden und zitierte gerne Wilhelm Busch.

Seine Geradlinigkeit und Strenge würden aber nicht mehr in die heutige Zeit passen. Schon das Radio empfand er als monströs. "Wer Musik wollte, sollte selber Musik spielen". So erlernte jedes Kind der Familie ein Instrument zu beherrschen."

"Er ging gern spazieren und bei Familien-Ausflügen in die Natur machte er z.B. auf Hünengräber und Besonderheiten der Natur aufmerksam.
Er liebte seine Pfeife und baute Tabakpflanzen an , die er nach der Ernte an einer Schnur auf dem Dachboden zum Trocknen gehängt hat.

Er liebte die norddeutsche Heimat, die Natur, die Farben und das Licht.
Es gab Bilder, die er immer wieder geändert hat: Z.B. das 1927 begonnene Abendmahl-Bild , beendete er erst 1947. Insbesondere die Gesichtsausdrücke bildeten Gegenstand der Änderungen. Experimentierfreudigkeit und Neugier bestimmten sein Wesen.

Jeden morgen um 6 Uhr begann er seine Arbeit im Atelier, im Sommer wie im Winter. An seinem Äußeren war er nicht sonderlich interessiert, er hat nie einen Frisör aufgesucht. In einem günstigen Moment schnitt ihm meine Großmutter während der Arbeit das Haar.
Er durfte den ganzen Tag malen und konnte sich der Kunst widmen, da meine Großmutter "alles" von ihm fern hielt."

"Den Kampf um die innere Freiheit kann nur gewinnen, wer an sich selber arbeitet..."

12.05.2002


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