Auf dem Weg zur Museumserweiterung
Ausstellungseröffnung "Schatzkammer Baltikum"
im Ostpreußischen Landesmuseum

 
Der erste Schritt ist getan. Mit der Ausstellung "Schatzkammer Baltikum" wirbt das Ostpreußische Landesmuseum für die geplante Museumserweiterung.

Museumsdirektor Dr. Ronny Kabus erinnert sich bei der Ausstellungseröffnung, daß eine seiner Aufgaben bei Amtseintritt vor elf Jahren u.a neue Entwürfe zu Ausstellungen auf den Weg zu bringen waren.

"Ein jegliches hat seine Zeit" - 10 Jahre nach Antragstellung beim Bund sieht die Bundes-Kulturkonzeption des Jahres 2000 perspektivisch mit der Erweiterung des Ostpreußischen Landesmuseums auch die Errichtung einer deutsch-baltischen Museumsabteilung vor.


Museumsdirektor Dr. Ronny Kabus erläutert Gästen der Ausstellungseröffnung den geplanten Museumsanbau
Modell des Ostpreußischen Landesmuseums mit geplanten Erweiterungen - Seitenansicht vom Westen- rechts die Ritterstraße -
Architekt: Richard Westrén-Doll
Modell des Ostpreußischen Landesmuseums mit geplanten Erweiterungen - Seitenansicht vom Westen- rechts die Ritterstraße - Architekt: Richard Westrén-Doll
Die Durchführung des Gesamtprojektes der Bundes-Kulturkonzeption des Jahres 2000 ist für das Jahr 2005 vorgesehen. Für die Bauphase sind vier Jahre geplant.

Dies ist ein großer Schritt zur Bewahrung der deutschen Kultur im Baltikum. Die deutsch-baltische Abteilung soll der Pflege der über 700 Jahre währenden Geschichte und Kultur der Deutschen im Baltikum dienen, worunter man im historischen Sinne jene Gebiete versteht, die heute Estland und Lettland sind. Die deutsch-baltische Geschichte ist untrennbar mit der europäischen Kultur und Geschichte verbunden.

Nicht zuletzt durch die enge Zusammenarbeit des Ostpreußischen Landesmuseums und der Carl-Schirren-Gesellschaft in Lüneburg, entwickelte sich die Durchführung der Museumserweiterung und die neue Ausstellung "Schatzkammer Baltikum" zusehends.
Die Deutsch-Balten in Lüneburg fanden in den 90er Jahren immer mehr Gefallen am Ostpreußischen Landesmuseum, insbesondere begeisterte sie die Idee an einer deutsch-baltischen Abteilung im Museum. Aufgrund einer Erbschaft konnte die Carl-Schirren-Gesellschaft am Nordgiebel des Museums ein Grundstück kaufen.

Professorin Giesela Reineking von Bock, (Mitglied des Vorstands der Carl-Schirren-Gesellschaft) dankte Dr. Ronny Kabus bei der Ausstellungseröffnung für die große Initiative.

Professorin Giesela Reineking von Bock, (Mitglied des Vorstands der Carl-Schirren-Gesellschaft) bei der Ausstellungseröffnung
Professorin Giesela Reineking von Bock, (Mitglied des Vorstands der Carl-Schirren-Gesellschaft) bei der Ausstellungseröffnung
Blick von Laaksberg auf Reval, Öl auf Leinwand, um 1850 - Leihgabe der Carl-Schirren-Gesellschaft, Lüneburg Blick von Laaksberg auf Reval, Öl auf Leinwand, um 1850 - Leihgabe der Carl-Schirren-Gesellschaft, Lüneburg Eigens für die deutsch-baltische Abteilung gründete die Carl-Schirren-Gesellschaft eine Museumskommission. Durch den Einsatz der Gesellschaft können wichtige Objekte zur deutsch-baltischen Geschichte in der neuen Ausstellung gezeigt werden.
So z.B.links abgebildetes Gemälde:

Die im Mittelalter mit Lübecker Stadtrecht versehende Hansestadt gehört neben Riga und Dorpat zu den wichtigsten Städten des Baltikums. Ihre Altstadt ist bis heute ein besonders schönes Beispiel hanseatischer Stadtkultur.

Die Themen der Ausstellung:
  • Livland unter deutscher Landesherrschaft von 1200 bis 1561
  • Das Baltikum unter polnischer und schwedischer Herrschaft zwischen 1561 und 1710/95
  • Rußlands "deutsche" Ostseeprovinzen von 1710/95 bis 1914
  • Das Schicksal der Deutschbalten in Estland und Lettland bis zu ihrer Umsiedlung 1940
Die Ausstellung offenbart, wie notwendig die umfassende Darstellung dieser Etappen deutscher und europäischer Geschichte und Kultur in einem Museumsanbau ist, und möchte eine breite Unterstützung für dieses bedeutende Vorhaben mobilisieren. Lüneburg als Partnerstadt des estländischen Dorpat/Tartu bietet sich in mehrfacher Hinsicht als Standort dafür an.
Die rechts abgebildete Terrakotta-Plastik unterstreicht die historische Bedeutung des Baltikums:

Kirchen gehören zu den ersten Stützpunkten der Christianisierung des heidnischen Baltenlandes: Der ursprünglich etwa 2.000 Plastiken umfassende Terrakottaschmuck ist nicht nur hinsichtlich der Anzahl, sondern auch durch Individualität und Größe der Plastiken einzigartig in den abendländischen Kirchen.

Terrakotta-Plastik der Johanniskirche in Dorprat, 14. Jh.
Terrakotta-Plastik der Johanniskirche in Dorprat, 14. Jh. - Leihgabe der Stiftung Johanniskirche, Dorpat/Tartu, Estland
Mit einer aus ganz Deutschland und darüber hinaus zusammenzutragenden Sammlung sollen die Gründung von Städten, die zu Zentren europäischer Kulturlandschaften wurden, die Blüte von Wirtschaft und Kultur im Baltikum sowie die Brückenfunktion zum östlichen Europa einer breiten Öffentlichkeit in den vielfältigsten Facetten nahegebracht werden.
Prunkkanne Silber, vergoldet, Johann Georg Eben (Meister 1703 - 1710), Riga um 1705  - Leihgabe der Galerie Neuse, Bremen Prunkkanne Silber, vergoldet, Johann Georg Eben (Meister 1703 - 1710), Riga um 1705 Leihgabe der Galerie Neuse, Bremen

Die links abgebildete Prunkkanne ist eines der bedeutendsten Exponate der Ausstellung:

Die außergewöhnliche baltische Goldschmiedearbeit beeindruckt zunächst durch ihre Größe und das hohe Materialgewicht. Das hohe künstlerische Niveau widerspiegelt den Stand europäischer Goldschmiedekunst um 1700 sowie den Übergang von Formen des 17. Jh. (barocke Blüten- und Fruchtgehänge sowie Akanthusblätter) zu neuen Entwicklungen (Tendenz zur Helmkanne, neue Ornamentformen wie das Pfeifenornament).

Johann Georg Eben, dessen kurze Schaffenszeit durch den Pesttod 1710 beendet wird, zählt nicht nur zu den bedeutendsten Goldschmieden Rigas, sondern seiner Zeit überhaupt. In namhaften Museen der Welt finden sich seine Werke. Der dauerhafte Erwerb des Objektes für die künftige deutsch-baltische Museumsabteilung wäre sehr wünschenswert.

Die Ausstellung läuft ab
27.04.2002
im Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag
von 10.00 bis 17.00 Uhr
Tel: 04131/759950
e-mail: info@ostpreussisches-landesmuseum.de

28.04.2002
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