"Volkskunde des Memellandes"
Ausstellung einer "fast vergessenen Kultur"
im Ostpreußischen Landesmuseum

 
Am Freitag wurde im Ostpreußischen Landesmuseum eine Ausstellung ganz besonderer Art eröffnet:
"Volkskunde des Memellandes - Die Sammlung Hugo Scheu aus Heydekrug" ist eine Ausstellung mit dem Museum Silute/Heydekrug aus Litauen.

Die seit längerem bestehenden Kontakte des Ostpreußischen Landesmuseums zum Museum Silute/Heydekrug ermöglichten es, fast den gesamten Bestand des Museums in dieser Ausstellung im Ostpreußischen Landesmuseum zu zeigen. Dies ist die erste Kooperation dieser Größenordnung.

Aufgrund der vielen Gäste, die die Ausstellungseröffnung besuchten, mußten in der Eingangshalle Stühle nachgestellt werden
Aufgrund der vielen Gäste, die die Ausstellungseröffnung besuchten, mußten in der Eingangshalle Stühle nachgestellt werden
In Anwesenheit der Museumsdirektorin Rosa Siksniene und einiger Ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter begrüße Dr. Ronny Kabus, Museumsdirektor des Ostpreußischen Landesmuseums die zahlreich erschienenen Gäste.
Dr. Ronny Kabus, Museumsdirektor des Ostpreußischen Landesmuseums
Dr. Ronny Kabus, Museumsdirektor des Ostpreußischen Landesmuseums
Schwerpunkt der Ausstellung ist die Präsentation der Alltagskultur der ländlichen Bevölkerung des Memellandes.

Das Memelland... "Namen, die keiner mehr kennt", mit diesen Worten der Gräfin von Dönhoff wird uns "schmerzhaft die Vergänglichkeit bewußt", so Dr. Ronny Kabus.

Das Memelland am Kurischen Haff ist ein Gebiet, etwa so groß wie Luxemburg, in dem viele verschiedene Bevölkerungsgruppen eine Kultur gebildet haben. Diese Region wird auch als "preußisch-litauisch" bezeichnet.

Die Burg Memel wurde 1252 durch den Dt. Orden angelegt und rundum mit niederdeutschen Kolonisten besiedelt. Das nordöstliche Ostpreußen wurde seit dem 15. Jahrhundert auch von eingewanderten Litauern besiedelt, die im Memelland wesentliche Teile der einfachen Landbevölkerung bildeten.

Seit 1525 ist es Teil Preußens. 1923 wurd es von Litauen annektiert und ging 1939 an Deutschland zurück. Nach dem 2. Weltkrieg wurde das Memelland Teil Litauens. Es gibt nicht viele Gebiete in dem viele verschiedene Bevölkerungsgruppen eine Kultur gebildet haben. "Die Kultur ist memelländisch nicht litauisch", führt Dr. Ronny Kabus weiter aus.

Er dankte der Museumsdirektorin des Museums Silute/Heydekrug Rosa Siksniene, ihren Mitarbeitern und seinen Mitarbeitern, insbesondere Herrn Dr. Jörn Barfod, Kustos des Ostpreußischen Landesmuseum, der die Ausstellung wissenschaftlich betreute.

Die Museumsdirektorin Rosa Siksniene erinnerte in ihrem Wortbeitrag an die Entstehung des Museums Silute/Heydekrug.

Nur durch die Sammluing Hugo Scheus war es möglich das Museum zu gestalten, da 1944 viele Alltagsgegenstände von der Roten Armee verkauft, verschleppt oder zerstört wurden. Einige weitere Objekte wie Kleidersammlungen, Bänder etc. konnten dennoch gerettet werden.

Frau Rosa Siksniene, Direktorin des Museums in Silute/Heydekrug
Frau Rosa Siksniene, Direktorin des Museums in Silute/Heydekrug
"Die Sachen wurden von Böden geholt und aufbereitet." Für sie ist es eine große Freude die Kulturgüter in Lüneburg zeigen zu können.
Ihr Dank gilt der guten Kontakte und Zusammenarbeit mit dem Ostpreußischen Landesmusem, insbesondere auch der wissenschaftlichen Bearbeitung durch Dr. Jörn Barfod, der auch in die Ausstellung einführte:
Bildnis des Hugo Scheu (mit Kirchenmodell) auf der Altarwand der ev. Kirche Heydekrug/Silute, 1926 gemalt von Richard Pfeiffer Bildnis des Hugo Scheu (mit Kirchenmodell) auf der Altarwand der ev. Kirche Heydekrug/Silute, 1926 gemalt von Richard Pfeiffer Den Grundstock des Museums Silute/Heydekrug bildet die Sammlung des Ökonomierates und Generallandschaftsdirektors Hugo Scheu (1845 Memel bis 1937 Heydekrug/Silute (heute Litauen)). Sie dokumentiert das kulturgeschichtliche Wirken dieser für das nordöstliche Ostpreußen hervorragenden Persönlichkeit.

Als Sohn eines Reeders begann Scheu nach einem Studium der Landwirtschaft in Berlin mit einem eigenen landwirtschaftlichen Betrieb im Kreis Memel, und erwarb 1889 das Gut Adlig Heydekrug.

Scheu war auch wissenschaftlich interessiert, lernte litauisch und die Geschichte Litauens, sammelte Märchen- und Liedersammlungen Litauens und hat sich auch für die Kultur der Landbevölkerung interessiert. Daraus entstand eine vielfältige und umfangreiche Sammlung der memelländischen Alltagskultur.

Dr Jörn Barfod stellte einige Besonderheiten der Ausstellung, wie z.B. verschiedene Möbelformen, die sich im Laufe der Zeit entwickelt haben vor.
Es sind "Mischformen" der verschiedenen Bevölkerungsgruppen. So setzte sich z.B. der Brettstuhl , eine Möbelform der aus dem Süden stammenden Einwanderer durch.

Typisch war auch der Webstuhl, der bis zum 20 Jhd in zahlreichen Bauernhäusern vorzufinden war, denn es war günstiger zu Hause weben. Zur Kaiserzeit war die memelländische Region eine der ärmsten Kreise.
Interessant sind auch die sogenannten Jostbänder, in denen z.T. Volksdichtung mit eingewebt wurde.

Thomas Ney vom Theater Lüneburg rundete die Ausstellungseröffnung ab. Er las Texte von Hermann Sudermann, ein Freund Scheus. Diese "Litauischen Geschichten" brachten dem Zuhörer die memelländische Kultur ein Stück näher.

Bürgermeisterin Birthe Schellmann eröffnete die Ausstellung und lobte die Arbeit des Ostpreußischen Landesmuseums:. "Es ist schwer für ein Museum Kultur aus einem anderen Land zu präsentieren."

Die zu bestaunenden Objekte der Ausstellung sind sehr vielfältig. Es gibt einige Photos aus der Alltagswelt des Memellandes, die um 1900 entstanden sind. Einrichtungsgegenstände von Schränken über Truhen bis hin zum Himmelbett.

Desweiteren können dort zahlreiche Gebrauchsgegenstände und Utensilien aus vergangener Zeit bestaunt werden. Besonders beeindruckend sind die feinen Handarbeiten, von der Tagesdecke bis hin zu den Jostbändern.

Die Präsentation dieser "vergangenen Alltagswelt" vermittelt einen nostalgischen fast schon "heimeligen Eindruck". Versäumen Sie nicht diese einmalige Ausstellung im Ostpreußischen Landesmuseum.
Die Ausstellung läuft vom
16.02 bis 26.05 2002
im Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag
von 10.00 bis 17.00 Uhr
Tel: 04131/759950
e-mail: Ostpreuss.Land.-museum@t-online.de

15.02.2002
[Übersicht Archiv]    [Startseite Luene-Info]