Lüneburg.
Drei Kandidaten werden den Wahlkreis 37 im neuen Bundestag vertreten.
Das Direktmandat errang die SPD-Kandidatin Hedi Wegener, über
die Liste kommen Kurt-Dieter Grill (CDU) und Marianne Tritz (Bündnis
90/ Grüne) in den neuen Bundestag.
Hedi Wegener gewann den Wahlkreis klar mit 46,7 Prozent vor Kurt-Dieter
Grill, der auf 36,9 Prozent der Stimmen kam. Auf Marianne Tritz entfielen
7,1 Prozent der Stimmen. Kurt-Dieter Grill hatte einen sicheren Listenplatz.
Marianne Tritz kam das gute Abschneiden der Grünen im Land und im
Wahlkreis zugute. Im Land Niedersachsen kamen die Grünen auf 7,3
Prozent, im Wahlkreis sogar auf 10,8 Prozent der Stimmen.
Als am Sonntag um Punkt 18 Uhr der Briefwahlvorstand ,,Adendorf 2“
im Lüneburger Kreishaus die Wahlurne öffnete, war das Kopf-an-Kopf-Rennen
der beiden großen Parteien noch nicht abzusehen. 550 Wahlbriefe
musste der siebenköpfige Wahlvorstand auszählen. Insgesamt wurde
im neu geschnittenen Wahlkreis 37 in 392 Wahllokalen ausgezählt.
Der Anteil der Briefwähler war bei dieser Wahl besonders hoch: ,,Rund
20 Prozent der Wählerinnen und Wähler“, so Fachdienstleiter
Heinz-Otto Trost am Sonntag, ,,haben dieses Mal Briefwahlunterlagen beantragt.“
Als wenig später die ersten Ergebnisse eintrafen, füllte sich
auch das Wahlzentrum in der Zulassungsstelle des Landkreises Am Springintgut.
Um 21.45 Uhr gab die stellvertretende Kreiswahlleiterin Nicole Germ das
vorläufige Endergebnis für den Bundestagswahlkreis 37 an den
Landeswahlleiter durch.
Nach dem vorläufigen Endergebnis liegen die Sozialdemokraten auch
bei den Zweitstimmen im Wahlkreis 37 vorn: die SPD kam auf 43,6 % der
Stimmen, die CDU auf 33,7 %, die Grünen auf 10,8, die FDP auf 7,6
und die PDS auf 1,6 % der Stimmen. Die Schill-Partei kam auf 1,4 %. Der
Rest spielte sich unter einem Prozent ab.
-aj- Stimmen zur Bundestagswahl
Lüneburg.
Die Siegerin im Wahlkreis 37 musste viele Hände schütteln:
mit 46,7 Prozent der Erststimmen ließ Hedi Wegener von der SPD
ihrem Konkurrenten Kurt-Dieter Grill von der CDU keine Chance. Er erreichte
nur 36,9 Prozent.
Hedi Wegener (SPD): ,,Ich bin wirklich stolz, ich bin
die erste Frau überhaupt, die diesen Wahlkreis gewonnen hat. Das
ist der Lohn für die motivierte und engagierte Arbeit der Parteibasis,
aber natürlich auch meiner eigenen Arbeit. Auch das Parteiergebnis
hier vor Ort ist gut. Bundesweit hätte ich mir allerdings mehr
erhofft. Und ich weiß nicht, ob uns letztlich nicht die Debatte
um Justizministerin Herta Däubler-Gmelin im Endspurt noch Stimmen
gekostet hat.“ Als negativ sieht Wegener die Größe
des neuen Wahlkreises 37. Denn der alte Wahlkreis Lüneburg/ Lüchow-Dannenberg
ist im Zuge des neuen Zuschnitts der Wahlkreise um die Stadt Munster
und Teile des Kreises Harburg erweitert worden. Hintergrund: Der neue
Bundestag wird kleiner, deswegen wurden die Wahlkreise neu gewichtet.
,,Unser Wahlkreis ist zu groß, ich bekomme viele Leute einfach
gar nicht mehr zu Gesicht, ich kann nicht mehr alle erreichen wegen
der riesigen Fläche. Das leistet meiner Ansicht nach der Politikmüdigkeit
Vorschub.“
Kurt-Dieter Grill (CDU): ,,Ich habe acht Wochen gekämpft,
bin zehntausend Kilometer durch den Wahlkreis getourt. Der Ertrag ist
nicht so, wie ich ihn mir erhofft habe, das Ergebnis ist jenseits der
Stimmung, die ich erlebt habe. Ich will nichts schönreden, das
ist schlicht zu wenig. Und ich kann Hedi Wegener nur beglückwünschen.
Das Bundesergebnis der CDU/CSU allerdings ist prima. Sollte die rot-grüne
Koalition weiter regieren, dann muss sie sich vier Jahre bei diesen
knappen Verhältnissen jeden Augenblick die Mehrheit sichern.“
Ein Ticket für den Bundestag hat auch Marianne Tritz
von den Grünen im Gepäck, ihre erste Reaktion war am Sonntag:
,,Ein grandioses Ergebnis, die Grünen sind die einzigen Wahlsieger
des Abends. Die Gründe dafür sind vielschichtig: Die Wahlkämpfer
vor Ort haben gute Arbeit geleistet. Die Bürger haben die Leistung
der Bundestagsfraktion honoriert, die Reformen umgesetzt hat. Wir haben
einen phantastischen Spitzenkandidaten Joschka Fischer erlebt, der die
Wähler mitriss. Und ich glaube, viele Leute haben Angst gehabt,
dass Reformen, gerade im Umweltsektor, von einer schwarz-gelben Regierung
wieder rückgängig gemacht worden wären.“
Bei der Wahlparty der FDP war die Stimmung gemischt. FDP-Kreisvorsitzender
Jens- Peter Hecht: ,,Mit dem Ergebnis sind wir nicht
zufrieden. Ob nun die Entgleisungen von Möllemann uns Stimmen gekostet
haben, oder ob wir doch eine Koalitionsaussage hätten treffen soll,
steht dahin. Den kleineren Parteien hat sicher die Polarisierung zwischen
Schröder und Stoiber geschadet, die Kandidaten-Duelle ohne Westerwelle.
Am Ende ging es nicht mehr um Sachthemen. Vor allem sprach kaum einer
noch von der verfehlten Arbeitsmarktpolitik, statt dessen waren die
Flut und der Irak-Konflikt die beherrschenden Themen.“
-aj-
25.09.2002
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