Umnutzung von Kasernen:
Erfahrungen der Stadt Mülheim an der Ruhr

Grüne Visionen und Konzepte zur Zukunft der Schlieffen Kaserne"
Vor über 40 interessierten Bürgerinnen und Bürgern berichtet Klaus Beisiegel am 11. April 02 über die Konversion der 16 ha großen Mülheimer Pionierkaserne "Wrexham Barracks" zum "Wohnpark Witthausbusch".

Er stellte heraus, dass die schnelle Übernahme der ehemaligen Kaserne in städtisches Eigentum - oder die treuhänderische Übernahme für die Stadt durch Dritte - eine wesentliche Voraussetzung für die städtebaulich Entwicklung im Interesse einer Stadt ist. Nur so sei es möglich Spekulationen zu verhindern, die Endveräußerung zu steuern und über die Kaufverträge die künftige Nutzung und Gestaltung festzuschreiben.
Mit diesem Verfahren wurden in Mülheim an der Ruhr gute Erfahrungen gemacht - genau wie mit der "In-sich-Finanzierung" des Projektes über ein Treuhandkonto.

Die Mülheimer Pionierkaserne Wrexham Barracks
Vor der Konversion: Die Mülheimer Pionierkaserne "Wrexham Barracks"
Wohnpark Witthausbusch
Heute: Wohnpark Witthausbusch
Auch die Forderung der Grünen in Lüneburg die Planung mit dem Instrument einer "Städtebauliche Entwicklungsmaßnahme" vorzunehmen wurde aus Mülheim mit positiven Erfahrungen gestützt. Der Mülheimer Bebauungsplan hat den Status einer "Städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme" und hat sich - mit nicht zu detailreichen Vorgaben - als flexible und solide Grundlage für die Entwicklung erwiesen.

Aus Mülheim brachte Beisiegel auch die Empfehlung mit - vor allen vor dem Hintergrund der ungleich größeren Schlieffenkaserne - nach den Vorgaben eines Rahmen- oder Masterplanes bzw. eines Nutzungskonzeptes einen zumindest national angelegten "städtebaulichen Ideenwettbewerb" auszuloben und mit einer breit besetzten Jury einen Entwurf zu prämieren der dann zur Grundlage der Entwicklung werden kann. Auf der Grundlage des preisgekrönten Entwurfs von Schaller/Theodor aus Köln entsteht in Mülheim ein neues, städtebaulich interessantes Wohnquartier mit großen öffentlichen Grünflächen und unter Berücksichtigung ökologischer Standards.

Beisiegel riet den Lüneburgern die Maßnahme langfristig anzulegen. In der Regel - so auch in Mülheim - würden zu kurze Planungs- und Umsetzungszeiträume angenommen. In Mülheim wurde 1991 mit den Planungen begonnen und heute sind die letzten Neubauten noch nicht begonnen und ein Abschluß der Maßnahme ist erst 2004 zu erwarten (und das bei nur 16 ha).

Die Erfahrungen in Mülheim zeigen auch, dass eine frühzeitige, ergebnisoffene, ehrliche und umfangreiche Bürgerbeteiligung einem solchen Projekt positive Impulse geben kann, die Akzeptanz für die Planung erhöht und auch die Umsetzung erleichtert.

Flexible, langfristig angelegte Angebotsplanung, unter vollständiger Kontrolle der Kommune und unter Einbindung alle Beteiligten ist notwendige Voraussetzung für eine erfolgreiche Umsetzung so resümierte Beisiegel. (oH)

Es referierten:

  • Klaus Beisiegel, Dezernatsreferent für Umwelt, Planen u. Bauen, Stadt Mülheim a.d. Ruhr
  • Birgit Leeck, Fachbereich Wirtschaft u. Konversion der Schlieffen-Kaserne, Stadtratsfraktion B90/Die Grünen


13.04.2002
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